Die Suche nach der Lebensaufgabe
- Irene Morueco

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Berufliche Veränderungen gehören zum Leben. Wir entwickeln uns fachlich und persönlich weiter, wechseln Stellen, übernehmen neue Aufgaben.
Doch was ist, wenn sich nicht nur der Job falsch anfühlt, sondern der ganze klassische Karriereweg?
Dann beginnt oft die Suche nach der einen Antwort: was ist meine Lebensaufgabe?
Wir informieren uns über Weiterbildungen, sprechen mit anderen Menschen und versuchen, unsere Berufung herauszufinden. Dahinter steckt oft die Vorstellung, dass es den einen richtigen Weg für uns geben müsse. Eine Aufgabe, für die wir bestimmt sind und die wir nur noch finden müssen.
In über 1000 Interviews, die ich auf der Suche nach den passenden Menschen für offene Stellen geführt habe, ist mir etwas immer wieder begegnet:
Viele Menschen wissen erstaunlich wenig darüber, wofür sie morgens wirklich gerne aufstehen.
Oft haben wir gelernt, einem vorgegebenen Weg zu folgen. Wir besuchen Schulen, absolvieren Ausbildungen oder Studiengänge und verfolgen Karrierewege, die vernünftig und richtig erscheinen.
Bis irgendwann etwas nicht mehr stimmt.
Der Antrieb fehlt. Eine Leere entsteht. Oder da ist dieses schwer erklärbare Gefühl: Da muss doch noch etwas anderes sein.
Und doch gibt es Menschen, die einen Ruf in sich spüren. Sie spüren, dass der eingeschlagene Weg nicht mehr der ist, den sie weitergehen möchten. Aber wohin der neue führt, wissen sie noch nicht.
Vielleicht müssen sie das auch noch gar nicht wissen.
DER WEG ENTSTEHT, INDEM WIR IHN GEHEN
Manchmal liegen unsere Möglichkeiten unter so vielen Zweifeln, dass wir uns gar nicht erlauben, eine Vision zu entwickeln. Kaum taucht eine grössere Idee auf, beginnt in uns die Gegenbewegung:
Das geht doch nicht.
Wie soll das funktionieren?
Davon kann ich nicht leben.
Was werden die anderen denken?
Und schon passen wir unsere Vision wieder unserer heutigen Realität an.
DIE KUNST DER MANIFESTATION
Für mich beginnt Manifestation dort, wo wir uns erlauben, innerlich eine andere Wirklichkeit entstehen zu lassen.
Noch bevor sie da ist.
Wenn wir uns ausmalen, wie wir leben und arbeiten möchten, verändern wir etwas in uns. Wir richten unsere Aufmerksamkeit neu aus. Wir geben unserer Vision Raum. Und plötzlich werden Möglichkeiten denkbar, die wir vorher bereits im Ansatz verworfen haben.
Für mich ist Manifestation deshalb eine Veränderung der Energie. Unserer eigenen Energie.
Wir geben eine Absicht in die Welt und beginnen gleichzeitig, uns selbst auf diese Möglichkeit auszurichten. Und genau hier kann ein 2. Standbein etwas sehr Wertvolles sein. Weil wir nicht alles hinschmeissen müssen, um unserem Ruf zu folgen. Der bestehende Beruf kann uns die Sicherheit geben, Schritt für Schritt etwas Eigenes aufzubauen und herauszufinden, wohin dieser neue Weg führt.
DIE BERUFUNGSLÜGE
Ich glaube nicht daran, dass irgendwo die eine Aufgabe auf uns wartet, für die wir bestimmt sind und die wir nur noch finden müssen.
Für mich bedeutet Berufung etwas anderes:
Berufung ist das, wozu wir uns berufen fühlen.
Viele von uns haben jedoch die Vorstellung verinnerlicht, dass wir für etwas Bestimmtes vorgesehen sind und nur herausfinden müssen, was es ist.
Genau darin liegt für mich die Berufungslüge.
Denn diese Vorstellung kann uns sogar davon abhalten, unseren eigenen Weg zu gehen. Solange wir nach der einen richtigen Antwort suchen, zweifeln wir an allem, was nicht sofort eindeutig erscheint.
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die schon als Kind genau wussten, welchen Weg sie einmal gehen würden. Im Gegenteil. Ich habe mich lange angepasst, mich zurückgehalten und darauf geachtet, was andere von mir erwarten.
Heute weiss ich, wie leicht dabei die eigene Stimme überhört wird. Denn der Ruf kommt nicht von aussen. Er kommt aus uns selbst.
Den eigenen Ruf wieder zu hören, ist deshalb nicht unbedingt ein Moment der Erkenntnis. Es ist ein Entfaltungsweg.
Wir entdecken etwas, gehen einen Schritt, machen neue Erfahrungen und erkennen dadurch wieder etwas Neues über uns selbst. Deshalb verstehe ich Berufung nicht als ein Ziel, das wir irgendwann erreichen. Ich verstehe sie als einen Lebensweg, auf dem wir immer wieder neu hören dürfen, wozu wir uns berufen fühlen.
Vielleicht besteht unsere Lebensaufgabe also gar nicht darin, die eine richtige Aufgabe zu finden. Vielleicht besteht sie darin, dem eigenen Ruf zu folgen und uns auf diesem Weg immer weiter zu entfalten.
Vielleicht ist dein Ruf längst da.
Vielleicht zeigt er sich bereits in deinen Erfahrungen, Fähigkeiten, Interessen und Wünschen und wird nur von all den Vorstellungen darüber überlagert, was vernünftig und möglich ist.
Wenn du neugierig geworden bist, beginne bei dir.
Der Potenzialkompass hilft dir, diesen Spuren zu folgen und darin deinen eigenen roten Faden zu entdecken.


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